Kategorie: Band On Tour Veröffentlicht am Mittwoch, 13. April 2011 22:31 Geschrieben von Sven
Dienstag, 12.04.2011 – 1:20 Uhr , Standtrand Hamburg
Die letzte Show unserer Tour ist gespielt. Wir verlassen gerade Hamburg und leuten den Bewältigungsprozess der letzten Tage mit dem Gucken von Videos der Tour ein. Köln und Brighton kommen einem schon so weit entfernt vor. Unglaublich, dass die Tour schon wieder vorbei ist. Aber es sind schöne Videos dabei und jedes ein Highlight für sich. Der Tag in Brighton, die beiden grandiosen Shows in Swindon und Liverpool. Oh man, da ist einiges zusammen gekommen. Aber fangen wir da an, wo wir stehen geblieben sind. In Brighton.
04.04.2011| Wir hatten das Glück, Brighton bei knallendem Sonnenschein erkunden zu dürfen. Die Stadt ist einfach nur grandios. Phil von From Plan To Progress war so toll und zeigte uns die Sehenswürdigkeiten der Stadt und seine Lieblingsbar direkt am Meer, wo wir für eine Weile die Seele baumeln lassen konnten und Gespräche geführt haben, über Musik und so. War schön. Danach ging es dann in den Club. Ausladen, Aufbauen, Essen und spielen. Caves, Ten Speed Bicycle und From Plan To Progress legten die Messlatte an diesen Abend unabgesprochen hoch. Fieß, aber auch sau geil. Tolle Bands mit grandios netten Leuten. Wir waren einfach nur froh mitspielen zu dürfen und haben unser Bestes gegeben. Denke, die Leute hatten Spaß. Ich habe vereinzelt wippende Füße durch die Nebelschwaden erblicken können. Der Abend wurde dann mit einem gemütlichen halbstündigen Spaziergang vom Parkplatz des Vans zur Wohnung beendet und wir fielen, müde und glücklich ins Bett.
05.04.2011| Nach dem sich alle von Phil verabschiedet hatten, ging es weiter nach Reading. Gespannt bogen wir auf dem Parklaptz der Facebar ein und begutachteten das gute Stück. Schön. Schön groß. Nach dem Ausladen ging es dann in die Stadt zum Essenfassen. Es gab Stulle. Den Abend eröffneten die blutjungen Veronika Decides, incl. des 16 jährigen Promoter mit ihrem ersten Gig überhaupt. Als wir uns die Show von ihnen angeguckt hatten, mussten wohl alle von uns an ihr mehr oder weniger erfolgreiches erstes Konzert denken. Die Jungs machten ihre Sache auf jeden Fall super und nach den sauguten Last One Standing und Marwood durften wir ran. Froh, dass die Championsleaguespiele vorbei waren und der Soundman sich dem livestreamenden MacBook neben dem Mischpult abgewandt hatte, spielten wir unser Set und hatten richtig Spaß. Den 18 Anwesenden hats auch gefallen. Sucess. Nach der Show ging es dann weiter nach Swindon wo wir dekadent ohne Ende in ein, Achtung!, Hotel eincheckten und uns mit unseren zweiliter Flaschen Cider zuprosteten.
06.04.2011| 6 Stunden Schlaf, ein gemeinsames Frühstück und ein Bad in Eselsmilch später, hieß es Swindon erkunden. Therme und Eisenbahnmuseum konnten sich leider nicht gegen das allseits beliebte Bummeln durchsetzen. Also bummelten wir durch die Stadt und landeten in einem Park, wo wir uns in den gepflegten englischen Rasen schmissen. So kann man einen Tag auch rumkriegen. Am Abend ging es dann ab zur Venue und nach dem üblichen Prozedere füllte sich der Laden langsam aber stetig, sodass Skepzis, Aufregung und Panik sich die Klinke in die Hand gaben. Wieder hatten wir das Glück mit super Bands zusammenspielen zu dürfen. In Swindon wahren es The Cold Habour und High Hopes! Da viele der Leute nicht nach den lokalen Bands gehen wollten, durften wir die bis dato schönste und vollste Show in England spielen. Es hat unglaublichen Spaß gemacht und mit guter Laune und dem wahrscheinlich schärfsten Essen der Welt ging es dann wieder ins Hotel wo wir den Abend gemütlich unter uns ausklingen ließen.
07.04.2011| Oh ha, Liverpool. Auf diese Stadt und das Konzert freuten wir uns alle wie sau. Nach einem kurzen und erfolgreichen Zwischenstop im Marshall-Werk in Milton Keans, wo wir Sören's Häufchen Elend reparieren ließen, fuhren wir mit einigen „Oh's“ und „Ah's“ in die Stadt ein. Nach einem Rundgang im riesigen Club ging es zum Essen in Owen's Wohnung, der an diesem Abend der Veranstalter war. Mit berstend vollen Bäuchen ging es zurück in den Club wo The Lees den Abend grandios einleuteten. Danach brachten uns The Wasters bei, was UK Punk ist, und Chiefs, wie man professionell geil ein Konzert runterrattert. Im Anschluss lehrte uns das Liverpooler Publikum wie man zu unserer Musik menschliche Pyramiden baut. Eine Art des, nennen wir es mal „Tanzes“, die ich schon seit Ewigkeiten nicht mehr auf einem Konzert in Deutschland gesehen habe. Des Weiteren feierten wir den dritten Stagedive seit Bandbestehen. Mit großem Grinsen ging es dann zum Abschluss des Abends raus ins Liverpooler Nachtleben. Owen stellte sich als echter Auskenner heraus und führte uns in tolle Läden. Am Ende erfuhr Philipp von einer Gruppe, bestehend aus zwei Mitgliedern von Kiss, Wonderwoman, Catwoman und die eine von den Incredibles, dann auch den Grund warum uns die ganze Nacht nicht einer mit dem Arsch angesehen hat. Wir waren offensichtlich zu „casual“ angezogen. Naja. Wir hatten trotzdem sehr viel Spaß.
08.04.2011| Nach zu wenig Schlaf schleppten wir unsere müden Knochen durch die Stadt zum Sightseeing. Großes Damentennis kann ich nur sagen. Der Mix aus Barcelona, Berlin und George Orwells „1984“ wusste zu begeistern. Nachdem so viel gesehen wurde wie möglich, ging es auf in eines der reichsten Dörfer Englands, Macclesfield. Zu früh vor Ort verschlug es uns auch erstmal in den Park wo wir bei stahlenden Sonnenschein zwei Stunden Mittagschlaf machten. Wieder im Club trafen wir Dave von Chief wieder, der den Abend veranstaltete und mit seiner Zweitband The Shuffle mitspielte. The Shuffle sollten wir auf dieser Tour eigentlich drei mal begegenen, aber auf Grund eines Motorschadens ihres Busses, mussten sie zwei der Konzerte absagen. Am Tag darauf fuhr Dave übrigens zum Videodreh seiner Drittband. Sehr busy der Mann, wie wohl alle die bei Hosehold Name Records in Bands spielen. Da das Konzert, naja, nicht gut war, warteten wir nun auf den Grund warum jeder immer nur Gutes von Macclesfield berichtet hatte. Nach einer knappen halben Stunde nach Ende des Konzertes kam er dann, der Grund. Erst in Form von Wendy, der 50 jährigen Barbesitzerin, die uns erst mit Shots und dann mit zwei Pitchern Cocktails innerhalb kürzester Zeit ins Delirium beförderte, änderte sich das Bild vom Abend. Schwups war das Konzert garnicht mehr so schlecht und alles ein voller Erfolg. Wer noch nie Helium inhaliert hat, sollte das unbedingt mal tun. Unglaublich wie leicht man uns beschäftigen kann.
09.04.2011| Völlig im Eimer ging es am nächsten Morgen nach Petersfield zu John von Mike TV, äußerlich Tingeltangel Bob und innerlich der lustigste und beste Mensch der Welt . Wir wurden herzlichst von ihm begrüßt. Der Name Sören war wohl etwas schwierig für ihn, deshalb wurde er in little cunt umgetauft. Herrlich. War das toll ihn mal wieder zu sehen. Nach einem kurzen Spaziergang durch die Stadt, die übrigens so aussah wie Macclesfield hätte aussehen sollen, bekamen wir dann das beste Essen der Tour und die beste Band ever zum ersten Mal in Aktion zu sehen. The Social Club machten Soundcheck und wir wussten, es wird geil. Wir machten dann den Anfang und wurden, wie so oft auf dieser Tour überrascht. Die Foggy's Bar war doch nicht so leer wie es erst aussah, tanzende alte Damen und lächelnde Gesichter, ein gut aufgelegter John und wir mittendrin, mit ordentlich Spaß an der Sache. Toll! Und der Abend ging noch toller weiter. Drawings spielten nach uns und waren phantastisch. So unglaublich tight und talentiert, nicht nur wir wippten mit offenen Mündern mit. Danach spielten dann The Social Club. Der Ex-Sänger von Captain Everything erfüllte mit seiner Band und zwei abgeänderten alten Captain Everything Songs im Set, Wolli's Kindheitsträume. Man waren die großartig und man war der Abend schön. John war quasi für den Rest des Abends Hauptattraktion und wir guckten zu wie er mehrfach Wolli penetrierte und einfach nur lustig und toll war. Fröhlich ging es dann irgendwann mit nem riesen Grinsen auf der Fresse ins Bett.
10.04.2011| Nach einem englischen Frühstück mit John, seiner Freundin und den Bewohnern der WG, in der wir geschlafen haben, hieß es Abschiednehmen und es ging auf zum letzten England-Gig nach Sheerness. Das Konzert war ein Benefizkonzert für die Opfer der Erdbeben/Tsunami/Atom-Katastrophe von Japan. Es gab eine riesige Tombola, an der ich ganz klar der Gewinner des Abends war. 2 CD's und ein T-Shirt sag ich nur. Einen Haufen guter Bands gab es oben drauf noch zu sehen. Heraus stachen auf jeden Fall Apologies I Have None, Cynics, Floods und Tyrannasauras Alan. Saucoole Musik und sehr nette Leute. Unser Gig ging auch in Ordnung und wir konnten uns ruhigen Gewissens auf Richtung Fähre machen.
11.04.2011| Um 2:30 verließ die Fähre Dover und wir fiehlen gleich in die erst besten Sitzgelegenheiten und schliefen bis zum Anlegen in Calais durch. Danach ging es im Tiefschlaf und Halbflug nach Hamburg weiter, wo wir uns gegen 15 Uhr auf die Suche nach NoFX und etwas Essbaren machten. Die Suche nach dem Essen war erfolgreich. NoFX fanden wir leider nicht, dafür gabs aber schön Sightseeing. Gegen 19 Uhr trafen wir dann auf den großartigen Chris der die Show quasi last minute aufzog. Der Laden füllte sich relativ fix und gut und Featuring Myselfe fingen an zu spielen. Die Jungs waren mega sympatisch und verdammt gut. Super Sache. Wir waren gleich danach dran und hatten einen richtig schönen Tourabschluss. Ein letztes Mal hieß es dann einladen, Kontrollgang, verabschieden und Nachtfahrt.
Mittwoch, 13.04.2011 – 12:15 Uhr , Mein Bett
12.04.2011| Verdammt. Wolli gibt 200 km vor Berlin auf. Ich fühle mich recht fit, lege den Laptop aus der Hand und schwinge mich neben Sören auf den Fahrersitz. Mein Zustand ändert sich schlagartig nach dem verlassen des Parkplatzes. Ich bin müde. Na toll. Sören und ich halten uns durch Mitsingen von 80er Jahre Hits wach und quatschen die Strecke bis Berlin tot. Erleichtert nicht eingschlafen zu sein, schmeißen wir irgendwann gegen 4 Uhr Joe bei sich zu Hause raus und fuhren weiter zum Proberaum. Völlig zerstört laden wir aus, säubern den Wagen provisorisch und setzen uns wieder in Bewegung.
Nachdem jeder halbwegs günstig zu Hause abgeliefert wurde, ging es für mich weiter nach Potsdam, wo ich pünktlich zum Weckerklingeln meiner Freunding ankam. Nach einem kurzen Frühstück ging es dann weiter nach Finsterwalde wo der Bus um 10:30 abgegeben werden musste. Aufregend wurde es nochmal 30km vor Finsterwalde. Auf der gesamten Strecke lag netterweise nur eine Tankstelle die ich, mit Freudentränen in den Augen, 10 km vor Reserveende, erreichte. Der Tag hatte potential zum richtig scheiße werden, welches glücklicherweise nicht ausgeschöpft wurde. Ja, mit dem Zug ging es dann irgendwann in Richtung Bett wo ich mich jetzt immernoch befinde.
Eigentlich wollte ich den Tourbericht mit einem Zitat von Chuck Ragan beenden, welches gerade von Nils von All Aboard via Facebook rumgeschickt wurde. Der Kommentar von Wolli zu dem Post mit den Worten „*sülz**sülz*sülz*“ ließ mich aber von der Idee Abstand nehmen. Deshalb beende ich das Tourtagebuch mit dem allseits beliebten Insider den ihr alle niemals verstehen werdet: Schööööööööööööööööööööööööööön war's!